Novartis und ihre aggressiven “Marketingpraktiken”

In den USA gibt es eine regelrechte Klagewelle gegen die Novartis aufgrund allfällige Schmiergeldzahlungen zur Umsatzsteigerungen ihrer Medikamente. Bereits zwei Mal hat der Basler Pharmakonzern dreistellige Millionensummen in einem Vergleich bezahlt, um die Klage abzuwenden.

Mitte Juli 2013 wird aufgrund von zwei Sätzen im 70-seitigen Halbjahresbericht von Novartis bekannt, dass der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara und seine Behörde eine neue Untersuchung gegen den Basler Konzern eröffnet hat. Gegenstand der Untersuchung sind die Marketingpraktiken für das Multiple-Sklerose-Medikament Gilenya vom Pharmakonzern. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich bei den sogenannten Entschädigungen von Ärzt*innen und Apotheken um Schmiergeldzahlungen handeln könnte.

Verschärfte Konkurrenz
Die aggressiveren „Marketingpraktiken“ von Novartis lassen sich mit dem zunehmenden Wettbewerb mit Medikamenten gegen Multiple Sklerose erklären. Während das Novartis-Medikament Gilenya zunächst das einzige in Pillenform gewesen ist, sind nun zwei weitere erhältlich. Dasjenige von Biotechkonzern Biogen erfreut sich seit der Lancierung im April 2013 grosser Nachfrage. Novartis hat darauf mit einer Werbekampagne mit Zielpublikum jüngere Patient*innen gestartet.

 

Weitere Klagen wegen Schmiergeldzahlungen
Parallel zu dieser Klage laufen zu diesem Zeitpunkt weitere: Im April 2013 wird der Basler Pharmakonzern aufgrund Schmiergeldzahlungen an Apotheker*innen im Zusammenhang mit dem Novartis-Medikament Myfortic beschuldigt. Das Ziel ist womöglich, Konkurrenzpräparate oder Generika zu verdrängen. Die Staatsanwaltschaft untersucht zudem, ob der Pharmakonzern bei anderen Medikamenten gleich vorgegangen ist. Darunter befindet sich wiederum Gilenya, aber auch das Leukämiemittel Glivec. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft ebenfalls ab April 2013 wegen Bestechung: Mit Anlässen sollen Ärzt*innen im Auftrag des Basler Konzerns ihre Kolleg*innen die Vorzüge bestimmter Medikamente näher gebracht haben. Die Anlässe bestehen aus teure Essen oder Ausflüge. Der Informationswert der Veranstaltungen sei minimal gewesen. Zwischen 2011 und 2012 habe Novartis dafür 65 Millionen Dollar ausgegeben. Dem seien zusätzliche Gewinne durch den Mehrumsatz mit den Medikamenten gegenübergestanden. Weitere Untersuchungen gegen Novartis laufen in den US-Bundesstaaten Pennsylvania und Kentucky. Auch hier geht es um mutmasslich illegale Marketingpraktiken mit zwei verschiedenen Medikamenten.

Vergleichszahlung in der Höhe von 390 Millionen US-Dollar
Im Jahr 2015 zahlte das Unternehmen 390 Millionen US-Dollar, um eine weitere Klage der US-Regierung abzuwenden. Die Klageschrift enthält illegale Taktiken zur Verkaufsförderung für eine Handvoll Medikamente wie Glivec (Imatinib) und Myfortic (Mycophenolsäure).

Vorbelastet: 422,5 Millionen Dollar teurer Vergleich aufgrund illegaler Marketingpraktiken
Im September 2010 zahlte der Pharmakonzern in einem Vergleich mit dem US-Justizministerium bereits 422,5 Millionen Dollar wegen illegaler Marketingpraktiken im Zusammenhang mit Trileptal (Oxcarbazepin). Gleichzeitig willigte Novartis in ein fünfjähriges Abkommen mit dem Staat ein. In diesem verpflichtete sich das Unternehmen, die Richtlinien im Zusammenhang mit der Vermarktung von Medikamenten einzuhalten und interne Kontrollen zu verstärken. In den Klagen macht die Staatsanwaltschaft klar, dass die Schmiergeldzahlungen an Ärzte und Apotheker auch noch flossen, nachdem der Vertrag unterzeichnet war. Kommen die Behörden zum Schluss, dass Novartis das Abkommen verletzt hat, droht im schlimmsten Fall der Ausschluss aus den beiden staatlichen Versicherungsprogrammen Medicare und Medicaid. So weit ist es bisher aber noch nie gekommen.

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